NEUE AUSSTELLUNG IM KUNSTZEUGHAUS

Wenn Worte zu Bildern werden
Jérome Stern

Die kommende Ausstellung im Kunstzeughaus Rapperswil- Jona zeigt Werke, die vom berühmten Roman «Robinson Crusoe» inspiriert wurden. Für Aramis Navarro ist es eine bedeutsame Premiere. In der grossen Ausstellungshalle des Kunstzeughauses. Die Vorbereitungen für die am nächsten Sonntag beginnende Ausstellung «iles - Elles» laufen auf Hochtouren: Bilder werden aufgehängt, Skulpturen zurechtgerückt, Wände grundiert. Unbeeindruckt von der allgemeinen Geschäftigkeit steht Aramis Navarro im Nebenraum, dem sogenannten Seitenwagen und betrachtet ein Bild. Quer über die hellbeige Leinwand ziehen sich die Worte «Le Vene vert vers le ver». Auch seine anderen Bilder zieren einzelne Worte auf Französisch oder Englisch. Leuchtende Wortspielereien Am Ausgangspunkt jedes Werks sei bei ihm immer die Sprache, erklärt der 28-jährige Rapperswiler Künstler. Er schmunzelt. «Die Inspiration geschieht bei mir über etwas, das ich lese oder höre.» Er schreibe sich einzelne Worte oder ganze Sätze in ein spezielles Notizbüchlein. Beim Durchlesen der Notizen im Atelier komme ihm dann oft die Idee für ein Bild, eine Installation oder eine Skulptur. Ein genauer Blick durch seine hier präsentierten Werke macht Navarros Nähe zur Sprache überdeutlich: Auf jedem Werk entdeckt der Betrachter kleine Worte oder Sprüche voller Doppeldeutigkeiten. Besonders ins Auge fallen da zwei übereinandergestapelte zweckentfremdete Röngten-Schaukästen darauf geklebt ist ein Notizzettel mit den Worten «Heavy» und «Light» also schwer und leicht. Wobei der englische Ausdruck «Light» zugleich für Licht steht. Dazu passt, dass die Installation von innen her beleuchtet ist. Über die doppelte Bedeutung des Wortes freut sich der Künstler diebisch. Von Graffiti zur Malerei Navarros Affinität zur Sprache und zu englischen Ausdrücken ist einfach zu erklären: Seine ersten künstlerischen Erfahrungen machte er als Jugendlicher mit dem Sprayen von Graffitis. Dabei verwendete er typischerweise und mit Vorliebe englische Slogans. Leider hatten nicht alle Freude an seiner illegalen Verschönerung von Fassaden und Zügen. Als ihn die Polizei eines Tages erwischte, reagierte seine Mutter kreativ. Sie hat ihm Farben und Pinsel gekauft und sagte: «Jetzt machst du Kunst statt Graffiti.» Die Malerei habe ihn gleich total fasziniert. Für Navarro ist dies die erste grosse öffentliche Ausstellung. Zwar hat er seine Werke schon im kleineren Rahmen gezeigt - doch die Präsentation im Kunstzeughaus ist für ihn ein wichtiger Schritt. Vor etwa fünf Jahren hatte Navarro beschlossen, ausschliesslich von seiner Kunst zu leben. «Meine Werke verkaufen zu können, ist extrem wichtig», sagt er, «nur so kann ich meinen Lebensunterhalt bestreiten und mir auch neue Malutensilien kaufen.» Auch Worte sind Bilder Wie wichtig dem Künstler Worte und deren Bedeutung sind, sieht der Betrachter in einem schmalen Gang. Da zeigt Navarro Bilder, die ausschliesslich aus Sprache bestehen. So zum Beispiel den Spruch «Die Freiheit des Andersdenkenden » auf dem Kopf stehend wohlgemerkt. Beim nächsten Bild liest man: «Tu as un oiseau» - du hast einen Vogel. So schmunzelt man über die schräge Übersetzung und lässt sich gerne in die wunderbare Leichtigkeit der Wort-Bild-Schöpfungen von Aramis Navarro entführen. Ausstellung «Iles - Elles» mit Selina Baumann, Patrizia Bucher, Chloe Delarue und Aramis Navarro im Kunstzeughaus Rapperswil-Jona Vernissage am 12. Mai, 11.30 Uhr