Saiten Magazin
Giulia Bernardi 27.10.2018


Dokumentation als Waffe

Jungkunst: Noch bis Ende Woche stellen in der Winterthurer Halle 53 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz ihre Werke aus. Giulia Bernardi hat sich die Arbeiten von vier Ostschweizer Kunstschaffenden angeschaut, die unterschiedlicher nicht sein könnten.


Aramis Navarro: «Zeiget Sie Zäh»

«Ich habe immer gerne gemalt, war in der Schule aber nie wirklich gut darin», meint Aramis Navarro. Doch er malte weiter, lange nebenbei und meist als Ausgleich zu seiner Lehre als Polymechaniker und der darauffolgenden technischen Berufsmatura. «Irgendwann stellte ich fest, dass es mir nicht entspricht, das Leben auf Zahlen aufzubauen», sagt Navarro; also fasste er den Entschluss, sich zunächst für ein Jahr als Autodidakt in der Kunst zu versuchen. Mittlerweile arbeitet er seit fünf Jahren in seinem Atelier in Rapperswil.

Was ihn interessiert? Sprache und die Missverständnisse, die sie generieren kann. Für die Serie Fake News (2018) hat er einer Sprach-zu-Text-App Zeitungs-Schlagzeilen vorgelesen. Die App versuchte das Gesprochene auf Schweizerdeutsch anhand phonetischer Parallelen ins Hochdeutsche zu transkribieren. So wurde aus Sätzen wie «Zeiget Sie Zäh» (Zeigen Sie die Zähne), «Zeige sitze».

Fake News, 2018. Transferdruck auf Leinwand

Den falsch verstandenen Inhalt hat Navarro dann figurativ dargestellt. Um auch hier dem Thema der Entfremdung treu zu bleiben, hat er den lachenden Mund auf eine Glasplatte gemalt und diese per Transferdruck auf die Leinwand übertragen.

«Ich finde es charmant, dass man sich bei solchen Arbeiten etwas zusammenreimen muss», sagt Navarro und lacht. So ist neben Sprache auch Humor ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens. «Ich möchte die Betrachterinnen und Betrachter nicht ihrer Fantasie berauben, indem ich ihnen vorgebe, was sie sehen sollen.»


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